An einem klaren Abend im August gehst du vielleicht nach draußen und schaust hoch in den Himmel. Wenn du in einer großen Stadt wohnst, siehst du vielleicht nur drei oder vier helle Sterne. Aber wenn du einen ruhigen Park weit weg von den Straßen besuchst, tauchen in der Dunkelheit plötzlich Hunderte von Sternen auf.
Am Boden passiert mit den Glühwürmchen genau dasselbe. Wenn helles elektrisches Licht über den Rasen strahlt, verblasst ihr leises gelbes Blinken. Die Glühwürmchen versuchen immer noch zu leuchten, aber ihre Signale werden vom Licht einfach verschluckt.
Forscher nennen dieses viele Licht in der Nacht Lichtverschmutzung. Sie entsteht, wenn Straßenlaternen, Gartenlampen und Balkonlichter ihr Licht dort hinstrahlen, wo man es gar nicht braucht. Lichtverschmutzung macht es Sternenguckern schwer, weit entfernte Sterne zu sehen. Und den Glühwürmchen macht sie es schwer, sich zu finden und Nachwuchs zu bekommen.
Die gute Nachricht ist: Lichtverschmutzung lässt sich ganz leicht beheben! Wenn wir verändern, wie wir unsere Häuser und Gärten beleuchten, bringen wir die Sterne zurück – und helfen gleichzeitig den Glühwürmchen.
Wie Glühwürmchen mit Licht sprechen
Glühwürmchen blinken nicht nur, weil es hübsch aussieht. Ihr Blinken ist eine richtige Sprache. Ein Glühwürmchen-Männchen fliegt über das Gras und blinkt ein bestimmtes Muster. Jede Art hat ihren eigenen Geheimcode. Eine Art blinkt vielleicht zweimal kurz alle drei Sekunden. Eine andere macht einen langen, leuchtenden Bogen, der wie der Buchstabe J aussieht.
Die Weibchen sitzen im Gras oder auf Blättern nah am Boden. Sie schauen in die Luft und warten auf das richtige Muster. Wenn ein Weibchen ein Männchen seiner eigenen Art entdeckt, blinkt es von seinem Platz aus zurück.
Das funktioniert aber nur, wenn die Nacht richtig dunkel ist. Das Licht eines Glühwürmchens ist ganz zart – ungefähr so hell wie ein einzelner kleiner Lichttropfen. Wenn eine Bogenlampe oder Straßenlaterne direkt auf das Gras scheint, kann das Weibchen das Flugmuster des Männchens nicht erkennen. Und das Männchen sieht die kleine Antwort unten im Gras nicht.
Wenn sich die Glühwürmchen nicht mehr sehen können, finden sie keine Partner. Nach ein paar Jahren gibt es in diesem Garten immer weniger Glühwürmchen. Dunkler Himmel gibt diesen Insekten einen ruhigen Ort, um in ihrer Leuchtsprache zu sprechen.
Was ist ein Lumen?
Um die Lichtverschmutzung zu stoppen, hilft es zu verstehen, wie man Licht misst. Wenn du eine Glühbirne kaufst, steht auf der Packung eine Zahl und dahinter das Wort Lumen.
Lumen ist die Einheit dafür, wie viel Licht eine Lampe insgesamt abgibt. Du kannst dir Lumen wie Wasser in einem Becher vorstellen: Ein kleiner Spritzer Wasser ist wie eine Lampe mit wenig Lumen. Ein riesiger Eimer Wasser, den man auf einmal auskippt, ist wie eine Lampe mit sehr vielen Lumen.
Früher haben die Menschen auf die Watt-Zahl geschaut, um zu schätzen, wie hell eine Birne ist. Aber Watt verrät nur, wie viel Strom die Lampe verbraucht. Lumen zeigt dir, wie hell das Licht wirklich ist.
Eine Taschenlampe zum Lesen im Zelt hat vielleicht 50 Lumen. Das ist für deine Augen aus der Nähe völlig ausreichend. Eine alte Straßenlaterne hat vielleicht 5.000 Lumen. Das ist eine riesige Lichtwelle.
Viele Lampen im Garten oder an der Haustür sind viel heller als nötig. Eine Glühbirne mit 800 oder 1.000 Lumen kann den ganzen Garten blendend erhellen. Dieses grelle Licht blendet die Glühwürmchen am Boden.
Für einen Gartenweg oder die Haustür reicht meistens eine Birne mit 200 bis 400 Lumen. Das gibt genug Licht, damit Menschen sicher gehen können, ohne die Tiere der Nacht zu blenden.
Lampen mit Abdeckung halten das Licht am richtigen Ort
Die Helligkeit ist aber nur die halbe Geschichte. Mindestens genauso wichtig ist, wohin das Licht strahlt.
Hast du schon mal eine nackte Glühbirne über einer Tür gesehen? Das Licht schießt in alle Richtungen. Es strahlt nach oben in den Himmel. Es scheint zur Seite ins Fenster des Nachbarn. Und es trifft die Bäume und das Gras nebenan.
Wenn Licht direkt in den Himmel schießt, prallt es an Staubteilchen und Wolken ab. Dadurch entsteht ein weicher, nebliger Schein über ganzen Städten. Astronominnen und Astronomen nennen diesen Schein Lichtglocke. Die Lichtglocke verdeckt die Sterne.
Wenn das Licht zur Seite strahlt, überschwemmt es das Gras, in dem die Glühwürmchen leben.
Die Lösung ist eine Lampe mit Schutzabdeckung. Eine solche Abdeckung sitzt fest über der Oberseite und den Seiten der Lampe. Sie funktioniert wie der Schirm einer Baseballkappe. Die Abdeckung sorgt dafür, dass das gesamte Licht direkt nach unten auf den Boden gerichtet wird.
Eine gut abgeschirmte Lampe beleuchtet die Stufen, auf denen du gehst. Aber sie hält den Himmel darüber dunkel und lässt das Gras drumherum im Schatten.
Wenn du abgeschirmte Lampen nutzt, verschwendest du keine Energie für den Himmel. Du bringst das Licht genau dorthin, wo deine Füße es brauchen.
Die Farbe von Nachtlichtern
Auch die Farbe des Lichts ist für nachtaktive Tiere sehr wichtig.
Grelles weißes und blaues Licht fühlt sich an wie die stramme Mittagssonne. Blaues Licht verteilt sich leicht in der Luft und verwirrt Nachttiere. Viele Insekten, auch Glühwürmchen, werden von hellem weißem oder blauem Licht wie von einer Falle angezogen. Sie fliegen so lange um die Lampe herum, bis sie müde werden oder von Spinnen gefressen werden.
Warmes Licht sieht ganz anders aus. Warmes Licht hat bernsteinfarbene, gelbe oder sanfte rote Töne. Es erinnert eher an ein Lagerfeuer oder einen Sonnenuntergang.
Glühwürmchen reagieren nicht so stark auf warmes gelbes oder orangefarbenes Licht. Warmes Licht überdeckt ihr Blinken nicht so schwer wie grelles weißes Licht.
Wenn du Außenlampen aussuchst, halte Ausschau nach Birnen mit der Aufschrift „warmweiß“ oder „bernstein“. Wenn du Lampen mit 2.700 Kelvin oder weniger wählst, bekommst du ein warmes Licht, das sanft zu deinen Augen, den Sternen und den Glühwürmchen ist.
Was uns die Mitmach-Karte gerade zeigt
Auf Alitaptap teilen Menschen aus der ganzen Welt, wo sie Glühwürmchen sehen. Jetzt, Ende August 2026, tragen die Mitglieder an vielen verschiedenen Orten Beobachtungen ein.
In North Carolina haben Freiwillige die Art Photinus pyralis entlang der Lewis Street in Durham, nahe dem Western Boulevard in Raleigh und auf dem Princeton Drive in Chapel Hill gemeldet. Andere haben Winter-Glühwürmchen (Ellychnia corrusca) in Mars Hill in North Carolina und droben in Cumberland, Rhode Island, entdeckt.
Drüben in Europa haben Beobachter den Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) in Saint-Avé in Frankreich und in Kylmälä in Finnland eingetragen. Anders als blinkende Glühwürmchen können die Weibchen des Großen Leuchtkäfers nicht fliegen. Sie sitzen im Gras und leuchten mit einem stetigen grünen Licht. Helles künstliches Licht überdeckt ihr zartes, dauerhaftes Leuchten ganz leicht.
In Taiwan haben Naturbeobachter Arten wie Pyrocoelia praetexta im Landkreis Pingtung und Cyponocerus ruficollis im Landkreis Chiayi gefunden. Unten in Brasilien hat ein Beobachter Aspisoma lineatum in Ipatinga entdeckt.
Wenn wir uns diese weltweite Karte ansehen, fällt ein Muster sofort auf: Die meisten Glühwürmchen werden in Parks, Gärten mit hohem Gras oder an Waldrändern gesichtet, wo die Nacht noch dunkel bleibt. An Orten voller greller, nicht abgeschirmter Straßenlaternen tragen die Menschen viel weniger Sichtungen ein.
Wie du Glühwürmchen schon heute Abend helfen kannst
Du musst nicht gleich alle Lichter in deiner Nachbarschaft ausschalten, um wirklich etwas zu bewirken. Kleine Entscheidungen rund um dein Haus machen schnell einen großen Unterschied.
Erstens: Schau dir eure Balkon- und Gartenlampen an. Strahlen sie direkt in die Bäume oder nach oben in den Himmel? Du kannst einen Erwachsenen bitten, die Lampen nach unten zu neigen oder einfache Abdeckungen über die Birnen zu setzen.
Zweitens: Überprüft die Helligkeit eurer Außenlampen. Wenn ihr eine Birne mit 800 Lumen gegen eine warme bernsteinfarbene Birne mit 300 Lumen austauscht, spart das Energie und hält den Garten dunkel genug für Glühwürmchen.
Drittens: Knipst das Licht nur an, wenn ihr es wirklich braucht. Mit einem Bewegungsmelder geht das Licht an, wenn jemand vorbeigeht, und schaltet sich danach automatisch wieder aus. Zeitschaltuhren können Deko-Lichter spät in der Nacht ausschalten, wenn alle schlafen.
Viertens: Zieht abends eure Vorhänge oder Rollläden zu. Licht von drinnen, das durch die Fenster nach draußen fällt, sorgt unbemerkt für noch mehr Lichtverschmutzung.
Wenn du den dunklen Nachthimmel beschützt, gibst du den Glühwürmchen Raum zum Leuchten. Und du kannst an einem klaren Augustabend hochschauen und die Milchstraße sehen, die sich über den Himmel zieht. Dunkler Himmel schützt die Welt über uns – und die Welt direkt vor unseren Füßen.
