Die Nacht bricht überall ein bisschen anders an, je nachdem, wo du wohnst. An manchen Orten leuchten die dunklen Felder im Juni auf. Woanders geht die Show schon im April los, erst im August oder sogar das ganze Jahr über. Glühwürmchen halten sich nämlich nicht alle an dieselbe Uhr. Jede Art hat ihren ganz eigenen Kalender.
Wenn du an einem Augustabend die Karte von Alitaptap öffnest, siehst du überall auf der Welt Punkte aufblinken. Genau jetzt melden Beobachter aus Pennsylvania, New York und Ohio den Amerikanischen Leuchtkäfer. In Deutschland und Großbritannien finden Naturforscher Glühwürmchen, die durchs feuchte Gras krabbeln. Und weit drüben in Taiwan tragen Citizen Scientists Funde des Fenster-Leuchtkäfers in Orten wie Hsinchu und Taichung ein.
Glühwürmchen gibt es auf fast allen Kontinenten – nur nicht in der Antarktis. Wenn du einen Ausflug zu den Leuchtkäfern planen willst, musst du wissen, wann und wo du suchen musst. Hier ist dein weltweiter Reiseführer durch das Glühwürmchen-Jahr!
Springtime Emergence: March Through May
Im Frühling erwacht die Welt im Norden. Der Boden wird nach dem Winter langsam warm. Regen macht die Erde weich und feucht. Schnecken und Würmer krabbeln aus dem Matsch. Das sind tolle Nachrichten für junge Glühwürmchen, die man Larven nennt.
Glühwürmchen-Larven verbringen viele Monate in der feuchten Erde und fressen weiche Krabbeltiere. Wenn der Frühling kommt, verwandeln sie sich in erwachsene Käfer. In vielen wärmeren Gebieten ist der Frühling die allerbeste Glühwürmchen-Zeit des Jahres.
Schauen wir uns zum Beispiel Taiwan an. Von April bis Mai bringt warmer Frühlingsregen Leben in die Bergwälder. Tausende Glühwürmchen versammeln sich an feuchten Wanderwegen und leise plätschernden Bächen. Arten wie der Schwarzflügel-Leuchtkäfer erfüllen die dunklen Wälder mit sanftem, grünem Licht. In den Dörfern gibt es sogar Nachtwanderungen, bei denen die Menschen ganz leise und ohne helle Lampen durch die Natur spazieren.
Während auf der Nordhalbkugel der Frühling beginnt, passiert auf der Südhalbkugel genau das Gegenteil. In Ländern wie Australien oder Südamerika bringen März und April den Herbst. Die Glühwürmchen dort bereiten sich auf kältere Tage vor. Manche südamerikanischen Arten beenden ihre Leuchtzeit genau dann, wenn die nordamerikanischen sich gerade bereit machen.
Wenn du im Frühling Glühwürmchen beobachten willst, pack am besten wasserdichte Stiefel ein! Die kleinen Krabbeltiere lieben nämlich feuchte Luft und nassen Boden. Wickle rotes Papier um deine Taschenlampe: Weißes Licht erschreckt die Käfer und bringt ihr Leuchten durcheinander.
Peak Summer Flashes: June and July
Im Juni und Juli ist in Nordamerika, Europa und Ostasien Hauptsaison für Glühwürmchen. Die Tage sind lang und warm, und die Nächte bleiben angenehm mild.
In Japan ist der Juni berühmt für das Beobachten von Glühwürmchen. Die Menschen nennen das Hotaru Gari, was so viel wie „Glühwürmchen-Schauen“ bedeutet. Zwei Hauptarten spielen die Hauptrolle in diesem Sommer-Theater: Der Genji-Leuchtkäfer mag wilde Bergbäche. Der kleinere Heike-Leuchtkäfer lebt lieber an ruhigen Reisfeldern und Teichen. In Städten wie Tatsuno spazieren tausende Menschen an dunklen Flussufern entlang. Sie schauen zu, wie grüne Lichter wie kleine Sternschnuppen über dem Wasser schweben. Japanische Naturschützer sorgen streng dafür, dass das Flusswasser sauber bleibt, damit die Larven genug Schnecken zum Futtern finden.
Im Osten der USA kann man Anfang Juni ein ganz besonderes Wunder erleben: Ein paar Glühwürmchen-Arten blinken völlig synchron – also genau im selben Takt! In Parks wie dem Great-Smoky-Mountains-Nationalpark in Tennessee und dem Congaree-Nationalpark in South Carolina leuchten tausende Käfer exakt in der gleichen Sekunde auf. Dann wird es wieder stockdunkel. Und ein paar Sekunden später blinken alle wieder zusammen.
Forscher glauben, dass dieses gemeinsame Blinken den Glühwürmchen-Damen hilft, im dichten Wald die Männchen zu entdecken. Weil so viele Menschen dieses Spektakel sehen wollen, verlosen die Parks Eintrittskarten. So wird es nicht zu voll und niemand tritt aus Versehen auf die Weibchen, die im Laub am Boden ausruhen.
Late Summer Displays: August
Im August neigt sich der Sommer an vielen Orten langsam dem Ende zu, aber die Leucht-Show ist noch lange nicht vorbei! In Gärten, Parks und Feldern in Nordamerika und Europa ist im August richtig viel los.
In Nordamerika blinkt der Amerikanische Leuchtkäfer auch durch heiße Augustnächte weiter. Auf Alitaptap haben Mitglieder ihn diese Woche an Orten wie Philadelphia in Pennsylvania, Woodstown in New Jersey und Grand Haven in Michigan gesichtet. Diese Käfer fliegen kurz nach Sonnenuntergang tief über Rasenflächen und Gartenränder. Ihr Blinken sieht aus wie der Buchstabe J. Weiter im Süden, zum Beispiel in Gainesville in Florida, spüren Beobachter tropische Arten auf. In Pittsburgh melden Beobachter den Kleinen Grauen Leuchtkäfer.
Auf der anderen Seite des Atlantiks haben die Europäischen Glühwürmchen im August ihren großen Auftritt. Alitaptap-Forscher haben sie vor Kurzem in Slapton Turn in Großbritannien und im Forst Tennenlohe in Deutschland entdeckt. Die Weibchen des Großen Leuchtkäfers können gar nicht fliegen! Sie sehen aus wie kleine, graue Raupen mit einem hellen, gelbgrünen Licht am Hinterteil. Sie klettern auf hohe Grashalme, sitzen ganz still und leuchten stundenlang ohne Unterlass, um fliegende Männchen anzulocken.
In Taiwan sieht man im August den Fenster-Leuchtkäfer. Neue Einträge auf Alitaptap zeigen ihn in der Gemeinde Zhudong im Landkreis Hsinchu und im Bezirk Shalu in Taichung. Dieser Käfer hat seinen Namen von durchsichtigen Stellen am Kopfschild, die wie winzige Fenster aussehen.
Wenn du im Spätsommer einen Park besuchst, bleib bitte unbedingt auf den festen Wegen. Die Glühwürmchen-Weibchen und die flügellosen Würmchen ruhen sich nah am Boden auf Grashalmen aus. Wer vom Weg abkommt, könnte aus Versehen auf sie treten.
Tropical Seasons and Year-Round Wonders
Was passiert eigentlich, wenn der Winter kommt? In kalten Gegenden sterben die erwachsenen Käfer, bevor der erste Frost da ist. Aber in den warmen Tropen in der Nähe des Äquators hört die Glühwürmchen-Saison niemals auf.
In Südostasien, etwa in Malaysia, den Philippinen und Thailand, ist es das ganze Jahr über schön warm. Die Mangrovenwälder an den Flüssen bleiben immer grün und feucht. Hier leben baumbewohnende Glühwürmchen in riesigen Kolonien.
Tausende dieser Fluss-Glühwürmchen versammeln sich auf ganz bestimmten Mangrovenbäumen. Sie blinken in einem schnellen, gleichmäßigen Takt zusammen. Ihre Lichter sehen aus wie blinkende Lichterketten an Weihnachtsbäumen entlang des dunklen Ufers! Weil es dort nicht vier verschiedene Jahreszeiten gibt, kann man dieses Schauspiel in jedem einzelnen Monat des Jahres bewundern.
Besucher fahren mit leisen Elektrobooten über die Flüsse, um die leuchtenden Bäume zu sehen. Die Menschen vor Ort schützen diese Mangrovenwälder gut, denn gesunde Mangroven schützen die Dörfer vor Stürmen und bieten jungen Fischen ein sicheres Zuhause.
In Gegenden mit kalten Wintern verbringen die Glühwürmchen die kalte Jahreszeit gut versteckt als Larven oder Puppen in der Erde oder unter Baumrinde. Ein paar nordamerikanische Arten, die Winter-Glühwürmchen genannt werden, überwintern sogar als erwachsene Käfer in Baumspalten. Sie leuchten nachts zwar nicht, aber an sonnigen Winternachmittagen wachen sie auf und krabbeln auf den Baumstämmen herum.
How to Plan Your Own Firefly Journey
Du musst gar nicht weit reisen, um Glühwürmchen zu entdecken! Du kannst direkt vor deiner Haustür zum Glühwürmchen-Forscher werden. So planst du dein Abenteuer:
Erstens: Finde heraus, welche Arten bei dir in der Nähe wohnen. Schau im Alitaptap-Artenführer nach oder stöbere in den neuesten Funden auf der Karte. So erfährst du, in welchen Monaten es bei dir am meisten blinkt.
Zweitens: Such dir die richtige Nacht aus. Glühwürmchen mögen es warm, windstill und feucht. Starken Wind und Platzregen hassen sie. Feuchte Luft sorgt dafür, dass ihre weichen Körper nicht austrocknen.
Drittens: Schütze die Dunkelheit! Schalte das Licht auf der Terrasse, im Garten und die Scheinwerfer aus. Künstliches Licht verwirrt die Käfer, sodass sie die Blinksignale der anderen nicht mehr erkennen können.
Viertens: Nimm rotes Licht. Klebe rotes Papier über deine Taschenlampe oder schalte auf rotes LED-Licht. Glühwürmchen können rotes Licht kaum sehen, deshalb stört es sie nicht beim Blinken.
Fünftens: Trage deine Funde ein! Wenn du ein Glühwürmchen entdeckst, merk dir Datum, Uhrzeit, Ort und wie das Blinken aussah. Mache eine Meldung auf Alitaptap. Wissenschaftler nutzen diese Daten, um herauszufinden, wo es den Glühwürmchen gut geht und wo sie Hilfe brauchen.
In jedem Monat des Jahres leuchtet irgendwo auf der Erde ein Glühwürmchen die Dunkelheit aus. Wenn du ihre Zeiten kennst, kannst du helfen, diese leuchtenden Käfer zu schützen – egal, wo deine Reise hingeht!
