Der Oktober bringt für viele Teile der Erde einen großen Wetterwechsel. Im Norden färben sich die Blätter gelb und rot. Wenn die Sonne untergeht, wird die Luft kühl. Die meisten Menschen denken, dass Leuchtkäfer ganz verschwinden, wenn der Sommer zu Ende ist. Wer aber einen Blick auf die Meldungen wirft, die diese Woche auf der Alitaptap-Karte eingehen, sieht schnell: Leuchtkäfer sind in verschiedenen Ecken der Welt noch hellwach.
Machen wir eine Reise um die Welt und schauen uns an, was der Leuchtkäferkalender gerade zu bieten hat. Der Oktober teilt sich ganz klar in zwei verschiedene Welten auf, je nachdem, ob man nördlich oder südlich des Äquators lebt.
Herbstleuchten auf der Nordhalbkugel
In Ländern wie Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Großbritannien und Tschechien melden Beobachter immer noch den Großen Leuchtkäfer, der oft auch als Johanniskäfer bekannt ist. Neue Einträge zeigen diese Tiere in Städten wie Hildburghausen und Birkenwerder in Deutschland sowie in Teilen Frankreichs und Großbritanniens. Obwohl die Tage kürzer und kühler werden, finden diese Insekten noch Zeit zum Leuchten.
Anders als viele blinkende Leuchtkäfer aus Bilderbüchern hat das erwachsene Weibchen dieses Käfers keine Flügel. Sie sieht ein bisschen aus wie ein kleiner, gepanzerter Krabbler. Nach Einbruch der Dunkelheit klettert sie an einem Grashalm oder einem niedrigen Stein nach oben und schaltet ein stetiges, grünes Licht an ihrem Hinterleib ein. Sie sitzt dort und wartet. Sie leuchtet wie eine winzige grüne LED-Lampe im Gras und hofft, dass ein fliegender Männchen ihr Signal entdeckt.
Auf der anderen Seite des Atlantiks in Nordamerika steht im Oktober eine ganz andere Art im Mittelpunkt. Beobachter in Grafton County in New Hampshire, Highland County in Ohio und Rigaud in Quebec melden den Winter-Leuchtkäfer. Diese kleinen Käfer sind härter, als die meisten Leute denken. Die kühle Herbstluft macht ihnen nichts aus. Sie zeigen zwar keine hellen Blinkshows wie im Juli, aber wenn man sie bei frostigem Gras aktiv antrifft, erinnert uns das an etwas Wichtiges: Die Familie der Leuchtkäfer, die Lampyridae, hat für fast jede Jahreszeit passende Arten.
Drüben in Asien bringt der Oktober ganz andere Arten hervor. In Hongkong haben Beobachter kürzlich Lamprigera taimoshana und Pygoluciola qingyu gesehen. Berichte aus Chaohu in China zeigen zudem das Vorkommen von Pyrocoelia rufa. Diese asiatischen Arten haben ihren eigenen Zeitplan. Ihr Lebenszyklus reagiert auf den lokalen Regen und die Wärme, die im Herbst noch lange spüren lassen, nachdem der nordeuropäische Sommer längst vorbei ist.
Frühlingswärme auf der Südhalbkugel
Während es im Norden abkühlt, wärmt sich die Südhälfte der Erde auf. Im Süden ist der Oktober ein Frühlingsmonat. Das bedeutet, dass eine ganz neue Gruppe von Leuchtkäfern aus dem Winterschlaf erwacht.
In Brasilien melden Beobachter in Gegenden wie Tombos und Venda Nova do Imigrante den Pyrogaster lunifer. Hier weicht der Frühlingsregen den Boden auf. Schnecken und Nacktschnecken fangen an, sich öfters zu bewegen. Das sind tolle Nachrichten für die Larven der Leuchtkäfer, also die junge Krabbelstufe vor dem erwachsenen Käfer. Leuchtkäferlarven brauchen feuchte Erde und viele kleine Beutetiere auf der Jagd.
Wer die Berichte aus Mayagüez in Puerto Rico liest, findet aktive Einträge des Heterophotinus vittatus. In warmen tropischen Regionen gibt es keinen strengen Winter, weshalb ihr Leuchtkäferkalender das ganze Jahr über recht konstant bleibt. Aber selbst dort bestimmen örtliche Regenfälle und Trockenzeiten, wann die erwachsenen Käfer auf Partnersuche gehen.
W Ausschau nach diesen Tieren heute Abend
Wer heute Abend nach draußen gehen und sehen möchte, was die heimischen Leuchtkäfer treiben, wirft am besten zuerst einen Blick auf das Wetter. In herbstlichen Regionen zieht man sich am besten eine warme Jacke an. Such lieber nah am Boden als hoch in der Luft. Schau an den Rändern von Gärten, an niedrigen Steinmauern und auf feuchten Grasflächen nach.
Nicht alle Leuchtkäfer blinken in der Luft. Viele bodenlebende Arten leuchten nur mit einem ruhigen, stetigen Licht. Wer auf der Südhalbkugel wohnt, wo gerade der Frühling begonnen hat, schaut am besten in der Nähe von feuchten Gräben oder Waldrändern nach, wo die Erde schön feucht bleibt.
Wenn du einen Leuchtkäfer entdeckst, schau kurz zu, was er gerade macht. Krabbelt er auf einem Blatt? Sitzt er ganz still auf einem Zaunpfahl? Jede einzelne Beobachtung hilft Wissenschaftlern zu verstehen, wie diese Insekten mit wechselnden Temperaturen klar kommen. Du kannst deine eigene Sichtung auf der Alitaptap-Karte eintragen und so ein weiteres Puzzleteil hinzufügen. Die Natur hat einen sehr vollen Kalender, und den zu entdecken ist ganz einfach, wenn man mit neugierigen Augen vor die Haustür tritt.