Wenn du an einem warmen Abend nach draußen in den Garten gehst, brauchen deine Augen einen Moment, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Wenn du sofort dein helles Smartphone oder eine weiße Taschenlampe anschaltest, machst du diese Nachtsicht direkt kaputt. Es dauert bis zu zwanzig Minuten, bis sich deine Augen wieder an das Dunkel gewöhnt haben. Glühwürmchen erleben etwas Ähnliches, aber ihr Leben hängt direkt von der Dunkelheit ab.
Menschen auf der ganzen Welt beobachten und melden gerade Glühwürmchen. Forscher haben vor Kurzem die Common Eastern Firefly an Orten wie Cumming in Georgia und Ellicott City in Maryland entdeckt. Andere finden den European Glow-worm in Eiken in der Schweiz und in Meaux in Frankreich. Wieder andere in Taiwan beobachten das Rimmed Window Firefly, während Menschen in Südkorea die Pyrocoelia rufa zählen. Egal, ob du ein blinkendes Insekt oder einen stetig leuchtenden Käfer betrachtest, du brauchst dabei Geduld und Vorsicht.
Warum weißes Licht Glühwürmchen stört
Glühwürmchen nutzen Licht, um miteinander zu kommunizieren. Ein Männchen zeigt ein bestimmtes Blinkmuster, um die Aufmerksamkeit eines Weibchens im Gras zu gewinnen. Wenn wir Menschen helles, weißes Licht einschalten, fluten wir die Dunkelheit mit einer Helligkeit, die diese winzigen Signale verschwinden lässt. Das ist so, als würdest du versuchen, ein Geheimnis über einen lauten Konzertsaal hinwegzuflüstern. Die Glühwürmchen können die Signale der anderen durch das helle Licht nicht sehen und geben auf.
Weißes Licht stresst die Tiere außerdem sehr. Plötzliches Licht kann dazu führen, dass ein Glühwürmchen erstarrt oder panisch wegfliegt. Stell dir vor, du versuchst in deinem Zimmer zu schlafen und jemand knipst plötzlich einen riesigen Flakscheinwerfer direkt vor deinem Gesicht an. Du würdest wahrscheinlich auch deine Sachen packen und gehen. Glühwürmchen brauchen die Dunkelheit für ihre wichtigsten Aufgaben.
Die Kraft von rotem Licht
Wenn du im Dunkeln nach Glühwürmchen suchen möchtest, ohne sie zu stören, nimm am besten rotes Licht. Du kannst eine normale Taschenlampe mit roter Folie abdecken oder eine Stirnlampe mit Rotlicht nutzen.
Rotes Licht hat eine längere Wellenlänge als weißes Licht. Das bedeutet, es hat weniger Energie und stört die Nachtsicht deiner Augen nicht. Menschliche Augen sind unempfindlicher gegenüber rotem Licht, und viele Insekten sehen rotes Licht ganz anders als grelles Weiß. Mit einem roten Strahl kannst du deine Karte lesen oder den Weg prüfen, ohne die Insekten zu blinden.
Deine Augen an die Dunkelheit gewöhnen
Um im Dunkeln wirklich etwas zu sehen, musst du warten. Wenn du aus einem hellen Haus nach draußen kommst, erkennst du zuerst wahrscheinlich nur große Umrisse. Bleib zehn bis fünfzehn Minuten ganz still stehen und schaue nicht auf Bildschirme. Langsam schärfen sich die Schatten. Du wirst das schwache grüne Blinken einer Common Eastern Firefly in den Büschen bemerken oder das stetige bernsteinfarbene Leuchten eines European Glow-worm im Gras.
Diese Wartezeit nennt man Dunkeladaptation. Das ist deine ganz persönliche Nachtsicht, die sich einschaltet. Sobald sich deine Augen angepasst haben, brauchst du gar keine Taschenlampe mehr. Das schwache Licht von Mond und Sternen reicht meistens völlig aus, um den Weg zu finden.
Glühwürmchen fotografieren ganz ohne Blitz
Es ist gar nicht so einfach, leuchtende Insekten zu fotografieren. Viele Menschen zücken ihr Handy, öffnen die Kamera und machen ein Foto mit hellem Blitz. Dieser Blitz ruiniert das Bild. Er verwandelt den dunklen Hintergrund in ein pechschwarzes Loch und verschluckt das sanfte Licht des kleinen Käfers.
Stattdessen solltest du fast im Dunkeln und mit normaler Ausrüstung fotografieren. Wenn dein Handy einen Nachtmodus oder manuelle Einstellungen hat, nutze sie. Lege dein Handy auf ein kleines Stativ, einen Stapel Bücher oder einen flachen Stein, damit es nicht wackelt. Stelle eine längere Belichtungszeit ein, damit die Kamera das Licht für ein paar Sekunden sammelt und nicht nur für einen winzigen Augenblick.
Nutze keinen Blitz. Lass den Kamerasensor das natürliche Leuchten der Insekten drei bis fünf Sekunden lang aufsaugen, während die Kamera ganz stillsteht. Vielleicht fängst du nur Lichtstreifen ein, aber genau diese Streifen beweisen, dass die Tiere dort aktiv sind.
Rücksicht an beliebten Beobachtungsorten
Manchmal versammeln sich viele Menschen in einem Park oder auf einem Weg, um besonders viele Glühwürmchen zu beobachten. Wenn du dir einen Beobachtungsplatz mit anderen teilst, sind gute Manieren genauso wichtig wie gute Wissenschaft.
Sei leise. Laute Rufe können andere stören, die die Tiere beobachten wollen. Noch wichtiger ist: Lass dein Handy in der Tasche. Wenn zwanzig Menschen mit voll aufgedrehten Handy-Displays auf einer Wiese stehen, machen sie künstliches Sonnenlicht an. Das sorgt dafür, dass die Glühwürmchen aufhören zu leuchten.
Wer unbedingt einen Feldführer oder eine Karte auf dem Bildschirm nachschlagen muss, sollte das Gerät nah an den Körper halten oder eine Rotlicht-App nutzen. Teilt euch die Dunkelheit. Tretet einen Schritt zurück, damit auch jüngere Kinder einen guten Platz bei den leuchtenden Büschen bekommen. Indem wir gemeinsam auf die Dunkelheit achtgeben, sorgen wir dafür, dass alle die echte Magie der Nacht erleben können.