Wenn du jetzt kurz nach Sonnenuntergang im Zentrum von North Carolina oder im Norden von South Carolina nach draußen gehst, könntest du denken: Der Sommer packt langsam seine Koffer. Die Zikaden zirpen laut in den Baumkronen. Die Luft kühlt etwas schneller ab als noch im Juli. Doch in den sanften Hügeln des Carolina-Piedmont wird die Nacht gerade erst lebendig – mit unzähligen, gelb leuchtenden Lichtern!
In der letzten Woche haben Naturbegeisterte aus der ganzen Region Dutzende Meldungen für unsere Karte geschickt. Beobachtungen kamen aus Gärten in Statesville, von ruhigen Feldwegen in Timberlake, aus Beeten in Carrboro und von Spazierwegen in Raleigh, Durham, Chapel Hill und Hillsborough. Weiter südlich, hinter der Bundesstaatsgrenze in Rock Hill (South Carolina), sah man an denselben lauen Abenden Lichtblitze über dem Gras tanzen.
Der August ist hier eine ganz besondere Zeit. In vielen Teilen Nordamerikas verblassen die Glühwürmchen-Shows schon mitten im Sommer. Im Piedmont jedoch sorgen warme Nächte und feuchte Böden dafür, dass mehrere Leuchtkäferarten bis in den späten August hinein strahlen. Hier erfährst du, was draußen in der Natur los ist, wo du am besten suchst und wie du die kleinen Leucht-Käfer beobachten kannst, ohne sie zu stören.
Warum das Piedmont ein Paradies für Glühwürmchen ist
Das Piedmont ist ein breiter Landstrich, der sich zwischen den flachen Küstenebenen im Osten und den Blue Ridge Mountains im Westen erstreckt. Der Name kommt aus dem alten Französisch und bedeutet so viel wie „am Fuße der Berge“. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln aus rotem Lehm, dichten Laubwäldern mit Eichen und Hickory-Bäumen sowie duftenden Kiefernwäldern.
Wasser spielt hier die Hauptrolle. Kleine Bäche schlängeln sich durch fast jede Nachbarschaft und Stadt. An ihren Ufern ist es herrlich schattig und feucht. Der Waldboden unter den Bäumen ist voll von modrigem Laub, kleinen Zweigen und weichem Moos.
Glühwürmchen-Larven lieben genau diesen feuchten Boden! Eine Larve ist das junge, flügellose Stadium eines Käfers – sie sieht ein bisschen aus wie eine winzige, flache Raupe oder eine Assel. Die Larven der Glühwürmchen verbringen bis zu zwei Jahre im feuchten Boden und im Laubhaufen. Dort jagen sie Schnecken und Regenwürmer. Weil es im Piedmont im Sommer viel regnet und die Bäume an den Bächen dichten Schatten spenden, finden die Larven reichlich Futter und sichere Verstecke.
Im Spätsommer neigt sich das Leben der erwachsenen Käfer dem Ende zu. Sie haben nur wenige Wochen Zeit, um einen Partner zu finden, Eier ins Moos oder in die Erde zu legen und so für die nächste Generation zu sorgen.
Was du im späten August am Himmel siehst
Die meisten der leuchtend gelben Blitze, die du jetzt im Piedmont siehst, stammen vom Östlichen Leuchtkäfer. In der Wissenschaft heißt er Photinus pyralis. In den USA nennen ihn viele auch „Big Dipper“ (Großer Wagen), weil er sich so besonders bewegt.
Wenn ein Männchen über eine Wiese oder Lichtung fliegt, blinkt es nicht einfach nur drauflos. Es knipst seine Laterne an, während es nach unten taucht, und steigt dann leuchtend wieder in die Luft. Seine Leuchtspur sieht aus wie der Buchstabe J! Nach jedem Blinken schwebt der Käfer ein paar Sekunden lautlos im Dunkeln, bevor er wieder abtaucht und neu aufleuchtet.
Die Weibchen warten meistens im Gras, in Sträuchern oder auf niedrigen Ästen. Sie schauen den fliegenden Männchen gespannt zu. Gefällt einem Weibchen das Leuchten eines Männchens, antwortet es mit einem kurzen, einfachen Blinken von seinem Sitzplatz aus. Das Männchen entdeckt das Signal und fliegt zu ihm hinunter.
Während dieser Leuchtkäfer das offene Gras beherrscht, gibt es in der Region noch andere Arten. In kühleren Lagen am Rande der Berge, wie in Mars Hill (North Carolina), wurden sogar Winter-Glühwürmchen gesichtet. Diese Käfer leuchten als erwachsene Tiere beim Fliegen gar nicht. Stattdessen ruhen sie an Spätsommertagen an Baumrinden und sehen dabei aus wie winzige graue Holzstückchen. Wenn du nachmittags an rauen Baumstämmen ganz genau hinschaust, entdeckst du vielleicht eines, das leise im Schatten krabbelt.
Wo du suchen solltest: Bachufer und Waldränder
Du musst gar nicht tief in die Wildnis wandern, um im Piedmont Glühwürmchen zu finden. Die besten Plätze sind oft Übergänge, an denen zwei verschiedene Lebensräume aufeinandertreffen. Ein Lebensraum (oder Habitat) ist der natürliche Ort, an dem ein Tier Nahrung, Wasser und Schutz findet.
Halte Ausschau nach Stellen, wo eine gemähte Wiese oder ein Stadtpark an ein Waldstück grenzt. Schau entlang von grünen Spazierwegen, die an Bächen vorbeiführen. Auch an den Rändern alter Felder, in Beeten mit viel Rindenmulch oder an Straßen mit alten, großen Bäumen lohnt sich der Blick.
Trockenen Asphalt meiden Glühwürmchen, denn dort wird es viel zu heiß und der Nachwuchs findet kein Futter. Auch Rasenflächen, die mit Gift gegen Unkraut gespritzt wurden, mögen sie gar nicht. Was sie wirklich brauchen, sind hohes Gras, feuchte Erde und tief hängende Äste, auf denen sie sich windgeschützt ausruhen können. Ein Garten mit einheimischen Sträuchern und einer Schicht feuchtem Laub ist für sie wie ein Luxushotel!
Wann die Lichtershow beginnt
Beim Glühwürmchen-Gucken kommt es auf das richtige Timing an! Leuchtkäfer haben einen strengen Zeitplan. Sie beginnen in der Dämmerung zu blinken – etwa eine halbe Stunde, bevor es draußen stockdunkel wird. Im Spätsommer in den Carolinas geht das meistens gegen 20:15 Uhr los.
Die Hauptshow dauert ungefähr 45 Minuten. Sobald die Nacht richtig hereinbricht und der Himmel schwarz wird, hören die Männchen meist auf zu fliegen und machen es sich in den Blättern gemütlich. Wenn du erst um 22:00 Uhr rausgehst, verpasst du vielleicht den ganzen Zaubertanz – obwohl hunderte Käfer direkt neben dir schlafen!
Auch die Temperatur ist wichtig. Glühwürmchen sind wechselwarm. Das bedeutet: Wie aktiv sie sind, hängt von der Wärme der Luft ab. An lauen, schwülen Sommerabenden blinken sie schnell und fliegen hoch. Weht jedoch ein kühler Wind und sinkt die Temperatur unter 15 Grad Celsius, blinken sie deutlich langsamer – oder bleiben gleich unter Blättern versteckt, bis es wieder wärmer wird.
Vier Regeln für rücksichtsvolles Glühwürmchen-Beobachten
Glühwürmchen haben weiche Körper und leben als erwachsene Käfer nur kurze Zeit. Wenn du dich heute Abend auf die Suche machst, beachte bitte diese einfachen Regeln, um sie zu schützen:
- Nutze rotes Licht. Helle weiße Taschenlampen und Handydisplays blenden Glühwürmchen. Da sie sich über Licht verständigen, können sie im grellen Scheinwerferlicht die Signale der anderen nicht mehr erkennen. Klebe rote Folie über deine Taschenlampe oder schalte deine Stirnlampe auf Rotlicht. Für rotes Licht sind die Augen der Käfer nämlich viel weniger empfindlich.
- Bleib auf den Wegen. Die Weibchen sitzen oft direkt auf Grashalmen und die Larven krabbeln im Laub gleich neben dem Pfad. Wer im Dunkeln durchs hohe Gras trampelt, zertritt schnell versehentlich Käfer. Bleib deshalb am besten auf Trampelpfaden, Kieswegen oder gemähten Rändern.
- Verzichte vor Ort auf Mückenspray. Mückenspray kann nicht zwischen einer Stechmücke und einem Glühwürmchen unterscheiden. Die Sprays können den Käfern und ihrer Beute schaden. Wenn du Schutz vor Mücken brauchst, sprühe deine Kleidung am besten schon zu Hause ein – weit weg von Wäldern und Bächen.
- Lass sie frei fliegen. Es ist verlockend, ein Glühwürmchen in ein Glas zu setzen, um es aus der Nähe leuchten zu sehen. Aber Gläser trocknen schnell aus, und gefangene Käfer können keine Partner finden. Am schönsten ist es sowieso, sich ganz still auf eine Bank oder Decke zu setzen und zuzusehen, wie sie frei um dich herum durch die Luft schweben.
Trage deine Entdeckungen in die Karte ein
Jedes Mal, wenn du in deiner Nachbarschaft ein Glühwürmchen aufblitzen siehst, hast du eine wertvolle Information entdeckt! Wenn du deine Beobachtung auf Alitaptap teilst, hilfst du Forschenden dabei herauszufinden, wie es den Glühwürmchen von Jahr zu Jahr geht.
Wenn du einen Fund meldest, notiere das Datum, die Uhrzeit und deinen ungefähren Ort. Schreib gerne dazu, ob der Käfer beim Fliegen in J-Form geblinkt hat oder ob er ruhig auf einem Blatt saß. Sogar der Hinweis, dass in deinem Park diese Woche weniger Lichter zu sehen waren als letzte Woche, hilft uns, den Rhythmus des Spätsommers besser zu verstehen.