Ende Juli ist eine aufregende Zeit, um abends draußen nach den Sternen und Lichtern zu schauen. Sobald die Dämmerung beginnt, blinken überall über Gärten, Parks und Baumkronen tausende kleine Lichter auf. Auf unserer Alitaptap-Beobachtungskarte haben freiwillige Helfer die ganze Woche über fleißig ihre Sichtungen eingetragen.
Am 26. und 27. Juli kamen Berichte aus den verschiedensten Orten herein. Menschen entdeckten Glühwürmchen in belebten Stadtstraßen wie der Driggs Avenue in New York. Sie sahen sie in Vorstadtgärten in Greenfield (Wisconsin) und Leavenworth (Kansas). Andere fanden sie in ruhigen Parks wie dem Lake Crabtree Park in North Carolina. Und auf der anderen Seite des Ozeans meldeten Beobachter Sichtungen auf dem Land in England, Polen und Belgien.
Wo du wohnst, bestimmt auch, welche Arten von Leuchtkäfern du triffst und wo sie sich am liebsten aufhalten. Schauen wir uns vier verschiedene Lebensräume an, in denen die Tierchen gerade aktiv sind, was sie dort treiben und wie du sie beobachten kannst, ohne ihnen zu schaden.
Der Rasen- und Waldrand: Das Zuhause der Blinker
Wenn du pünktlich zum Sonnenuntergang in deinen Garten oder den Stadtpark gehst, bist du mitten im besten Glühwürmchen-Revier. Die meisten unserer neuesten Karteneinträge stammen von Orten, an denen offener Rasen an Bäume, Büsche oder hohes Gras grenzt. In Orten wie Evanston in Illinois oder Berlin in Maryland beobachteten Tierfreunde, wie gelb-grüne Lichter aufblinkten, sobald die Sonne tief stand.
Diese nächtlichen Flieger gehören meist zum Gewöhnlichen Östlichen Leuchtkäfer. Wissenschaftler nennen sie Photinus pyralis. Sie lieben die Ränder, an denen gemähter Rasen auf kühlen Schatten trifft. Während der heißen Tagesstunden verstecken sich diese Käfer unten an den feuchten Wurzeln der Grashalme oder unter tief hängenden Blättern. Dieser kühle, feuchte Schatten schützt sie vor dem Austrocknen in der Sommerhitze. Wird ein Rasen extrem kurz gemäht oder backt die Erde in der Sonne trocken aus, verlieren die Tierchen ihr Tagesversteck.
Wenn die Dämmerung einbricht, heben die Käfermännchen als Erste ab. Sie fliegen langsam etwa auf Knie- bis Hüfthöhe über dem Boden. Beim Fliegen machen sie eine ganz besondere Bewegung: Sie sinken erst ein Stück ab und ziehen dann wieder nach oben – so zeichnen sie eine leuchtende Spur wie ein geschwungenes „J“ in die Dunkelheit.
Sie suchen nach den Käferweibchen, die unten im Gras rasten. Sieht ein Weibchen das Blinken eines Männchens, wartet es ein paar Sekunden und antwortet mit einem eigenen Blinken von seinem Grashalm. Das funktioniert wie eine geheime Lichtsprache! Wenn du das beobachten möchtest, stell dich am besten an den Rand einer Baumreihe, wo der Boden zuerst dunkel wird.
Schattiger Wald: Glühwürmchen am Tag entdecken
Nicht alle Leuchtkäfer warten, bis die Sonne untergeht. Drüben in Kanada meldeten Beobachter in Ontario, Nova Scotia und Québec Sichtungen von Schwarzen Leuchtkäfern mitten am hellichten Tag.
Schwarze Leuchtkäfer sehen ganz anders aus als ihre nachtaktiven Verwandten. Ihr Körper ist dunkelkohlegrau mit dünnen roten oder gelben Flecken direkt hinter dem Kopf. Das Überraschendste daran: Ausgewachsene Tiere leuchten nachts überhaupt nicht! Stattdessen fliegen sie an warmen Nachmittagen durch schattige Wälder.
Wie finden sie sich ohne ihr Leuchten? Sie nutzen ihren Geruchssinn! Die Weibchen schicken spezielle Duftstoffe in die Luft, sogenannte Pheromone. Das Käfermännchen nutzt seine breiten, gefiederten Fühler, um diese Duftsignale aus dem Wind aufzufangen.
Wenn du an einem Sommernachmittag auf einem schattigen Waldweg unterwegs bist, schau dir Baumstämme und große Blätter einmal genau an. Vielleicht entdeckst du einen Schwarzen Leuchtkäfer, der über die Rinde krabbelt! Sie leben in der Nähe von morschem Holz und dicken Laubschichten, wo der Boden schön feucht bleibt. Feuchte Erde ist lebenswichtig, denn sie schützt die Eier und bietet den jungen Glühwürmchen einen tollen Jagdgrund.
Grasbewachsene Hänge: Leuchtende Weibchen auf der anderen Seite des Ozeans
In genau denselben Nächten trugen Alitaptap-Mitglieder aus High Wycombe in Großbritannien, aus Großpolen und aus Bertrix in Belgien Sichtungen des Großen Leuchtkäfers ein. Auch wenn sie auf Englisch manchmal „worms“ (Würmer) genannt werden, sind es echte Käfer und gehören zur Familie der Leuchtkäfer.
Der Große Leuchtkäfer verhält sich ganz anders als die nordamerikanischen Arten. Die Männchen sehen aus wie ganz normale, dunkle Käfer mit Flügeln und fliegen umher, um nach Weibchen Ausschau zu halten. Die Weibchen hingegen haben gar keine Flügel! Sie sehen eher wie kleine, flache Raupen aus.
Spät am Abend krabbelt so ein Weibchen an einem Grashalm oder einem moosigen Stein an einem Straßenhang nach oben. Es hebt seinen Hinterleib zum Nachthimmel und knipst ein dauerhaftes, hellgrünes Licht an. Es blinkt nicht an und aus, sondern leuchtet stundenlang durchgehend, bis ein vorbeifliegendes Männchen es von oben entdeckt.
Wenn du in Europa lebst oder hügelige Wiesen besuchst, halte deine Augen nah am Boden. Halte Ausschau nach winzigen grünen Lichtern, die ganz still im dunklen Gras sitzen.
Hoch in den Baumkronen: Die Baumbewohner
Manche Glühwürmchen bleiben lieber hoch über unseren Köpfen. In Bucyrus Township im US-Bundesstaat Ohio meldete ein Beobachter am 26. Juli den Sayschen Leuchtkäfer (Say's Firefly).
Diese Art ist bekannt dafür, schon früh im Sommer aufzutauchen, aber einige Tiere bleiben bis Ende Juli aktiv. Anders als der Gewöhnliche Östliche Leuchtkäfer, der dicht über dem Rasen schwebt, liebt der Saysche Leuchtkäfer die Äste alter Bäume. Oft sitzen sie weit oben in Eichen, Kiefern oder Obstbäumen und senden kurze, bernsteingelbe Lichtblitze aus.
Weil sie so weit oben bleiben, übersieht man sie leicht, wenn man nur auf den Boden achtet. Um sie zu entdecken, suche dir einen Ort mit alten, hohen Bäumen, genau wenn sich der Himmel dunkelblau färbt. Schau hinauf in die Blätter, bevor es ganz dunkel wird. Vielleicht siehst du dann hoch in den Baumkronen kurze Lichtblitze wie kleine Sterne aufblinken.
Blick ins Licht: Wie Glühwürmchen kaltes Licht erzeugen
Hast du schon einmal eine alte Glühbirne angefasst, die eine Weile an war? Sie wird richtig heiß! Das liegt daran, dass normale Glühbirnen den Großteil ihrer Energie als Wärme abgeben statt als Licht. Wenn ein Glühwürmchen so heiß werden würde, könnte es nicht überleben.
Glühwürmchen erzeugen ihr Licht durch einen chemischen Vorgang namens Biolumineszenz. Das ist ein langes Wort, bedeutet aber einfach: Licht, das von einem Lebewesen hergestellt wird. Im Hinterleib des Glühwürmchens mischen sich zwei spezielle chemische Stoffe zusammen mit Sauerstoff aus der Luft. Wenn sich diese Stoffe verbinden, entsteht Licht – und zwar ganz ohne Wärme! Wissenschaftler nennen das „kaltes Licht“, weil fast die gesamte Energie direkt in Leuchten umgewandelt wird.
Jetzt Ende Juli nutzen ausgewachsene Leuchtkäfer dieses kalte Licht, um Partner zu finden und für Nachwuchs zu sorgen. Schon bald legen die Weibchen ihre Eier in feuchte Erde unter heruntergefallenen Blättern oder Mulch. Ein paar Wochen später schlüpfen aus den Eiern Larven. Eine Larve ist die junge, flügellose Form eines Insekts – ähnlich wie eine Raupe, bevor sie zum Schmetterling wird. Die Larven der Glühwürmchen leben den ganzen Herbst und Winter über in der Erde und fressen winzige Schnecken und Würmer.
Vier einfache Regeln für die sichere Glühwürmchen-Beobachtung
An vielen Orten gibt es immer weniger Glühwürmchen, weil künstliche Lichter, Chemie im Garten und schrumpfende Lebensräume ihnen zu schaffen machen. Du kannst helfen, die Leuchtkäfer in deiner Nachbarschaft zu schützen, während du sie aus der Nähe beobachtest! Hier sind vier einfache Regeln:
- Knipse das Außenlicht aus. Helles Licht von der Veranda oder Flutlichter machen es den Glühwürmchen schwer, die Lichtsignale der anderen zu sehen. Schalte Lichter im Garten aus und schließe bei Dämmerung die Rollläden, damit die Käfer ihre Partner finden können.
- Benutze eine Taschenlampe mit rotem Licht. Weißes Licht vom Smartphone oder einer normalen Taschenlampe kann Glühwürmchen erschrecken und ihr Blinken für mehrere Minuten stören. Klebe rotes Klebeband oder rotes Papier über die Linse deiner Taschenlampe. Rotes Licht stört die Augen der Käfer nämlich nicht!
- Kein Insektenspray an den Händen! Chemisches Mückenspray kann Glühwürmchen bei Berührung schaden. Wenn du Schutz brauchst, sprühe es auf deine Kleidung, bevor du nach draußen gehst, und wasche dir gründlich die Hände, bevor du Pflanzen oder Käfer anfasst.
- Gehe vorsichtig mit gefangenen Käfern um. Wenn du ein Glühwürmchen in einem sauberen Glas beobachten möchtest, lege ein feuchtes Stück Küchenpapier auf den Boden, damit die Luft schön feucht bleibt. Steche keine Löcher in einen Metalldeckel, denn scharfe Kanten können die winzigen Käferbeine verletzen! Decke das Glas stattdessen mit einem Tuch ab oder drehe den Deckel nur ganz locker auf. Lass dein Glühwürmchen nach spätestens zehn Minuten immer wieder ins Gras frei.
Trage deine Sichtungen auf der Karte ein
Wenn du das nächste Mal bei Dämmerung nach draußen gehst, achte einmal ganz genau auf deine Umgebung. Stehst du neben einem gemähten Rasen, an einem feuchten Waldrand oder unter hohen Baumkronen?
Achte auf die Farbe des Blinkens, wie hoch die Käfer fliegen und um wie viel Uhr du sie siehst. Schau dann auf Alitaptap vorbei und trage deine Beobachtung auf unserer Karte ein. Jeder einzelne Eintrag hilft Wissenschaftlern dabei, den Lebensraum der Glühwürmchen für die Zukunft zu schützen!
