Geh nach tagesuntergang einmal hinaus in den Garten. Halte deine Hand direkt vor dein Gesicht. Zuerst siehst du im Schatten vielleicht fast gar nichts. Gib deinen Augen ein paar Minuten Zeit zur Ruhe. Bald tauchen Formen aus der Dunkelheit auf. Der Rasen, der Zaun und die Aeste der grossen Eiche werden sichtbar. Deine Augen tun etwas Cleveres. Sie oeffnen sich weiter und bilden einen Stoff namens Rhodopsin, um jeden winzigen Lichtstrahl einzufangen. Diese Anpassung hilft dir, im Dunkeln zu sehen, ohne eine helle Lampe einzuschalten.
Stelle dir nun einen hellen Blitz aus gelbem Licht im Garten vor. Das ist ein Leuchtkaefer, der Artgenossen ein Signal sendet. Ueberall auf der Welt tragen Menschen diese leuchtenden Insekten in die Alitaptap-Karte ein. Berichte aus dem Oktober zeigen Winter Fireflies an Orten wie New York City oder Huntsville, waehrend European Glow-worms Felder in Obory in Tschechien erhellen. Aber diese natuerlichen Signale haben ein schweres Problem. Wenn Verandabeleuchtung, Strassenlampen und helle Birnen in den Garten scheinen, machen sie die Nacht hell. Wenn wir verstehen, wie Licht funktioniert, sehen wir, warum diese hellen Lampen eine Gefahr fuer Leuchtkaefer sind.
Licht bewegt sich in Wellen. Verschiedene Farben haben unterschiedliche Wellenlaengen. Blaues und weisses Licht haben kurze Wellen, die sich in der Luft leicht verteilen und in unseren Augen hin und her springen. Diese Streuung erzeugt Blendung. Sie taeuscht unseren Augen vor, es sei noch Tag. Rotes und oranges Licht haben lange, ruhige Wellen. Sie wandern mit weniger Streuung durch die Dunkelheit. Deshalb nutzen Astronomen rote Taschenlampen bei Nacht. Mit rotem Licht koennen sie Sternenkarten lesen, ohne ihre Nachtsicht zu stoeren. Deine Augen behalten ihre Empfindlichkeit, selbst wenn in der Naehe ein weiches, warmes Licht leuchtet.
Leuchtkaefer sind voellig von dieser Nachtsicht abhaengig. Ein Leuchtkaefer erzeugt in seinem Koerper kaltes Licht durch eine chemische Reaktion, bei der fast keine waerme entsteht. Da die Nacht stockfinster ist, wandert ein winziges gruenes oder gelbes Blinken weit. Ein Maennchen ueber einem Rasen in Texas sucht nach einer Partnerin und verlaesst sich auf diesen Kontrast. Wenn eine helle weisse LED-Strassenlampe auf das Gras scheint, ist der Hintergrund nicht mehr dunkel. Das leichte Blinken des Leuchtkaefers verschwindet in der kuenstlichen Helligkeit, genau wie eine Kerzenflamme am helllichten Tag.
Du kannst mit einem ganz einfachen Experiment heute Abend testen, wie sich deine eigenen Augen an verschiedene Lichtarten anpassen. Du brauchst keine besonderen Geraete. Alles, was du brauchst, ist ein dunkler Raum, ein Blatt Papier und zwei verschiedene Taschenlampen oder Handys.
Probiere diesen Nachtsicht-Test aus
- Finde nachts einen Raum in deinem Haus, in dem du das Licht durch Schliessen der Tuer und Ausschalten der Lampe fernhalten kannst. Sitze dort fuenf Minuten ganz still, damit sich deine Augen anpassen koennen.
- Nimm ein weisses Blatt Papier und zeichne mit einem Bleistift eine einfache schwarze Form oder ein kurzes Wort darauf. Lege das Papier auf einen Tisch ein paar Meter entfernt.
- Schalte eine helle weisse Taschenlampe oder den Handydschbildschirm fuer nur zwei Sekunden ein und dann sofort wieder aus. Merke dir, wie lange deine Augen brauchen, um das Papier wieder zu sehen.
- Bedecke das Licht deiner Taschenlampe mit einem roten Ballon oder rotem Geschenkpapier oder nutze eine rote App auf dem Handy. Schalte dieses rote Licht fuer zwei Sekunden an.
- Vergleiche die beiden Erlebnisse. Du wirst merken, dass das weisse Licht helle Flecken hinterlaesst und dich lange blendet. Mit dem roten Licht siehst du das Papier viel schneller, ohne dass deine Nachtsicht leidet.
Dieser einfache Test zeigt dir, was draussen im Grossen passiert. Wenn Wohngebiete auf helles, blaues Licht umstellen, finden nachtaktive Tiere sich nicht mehr zurecht. Insekten finden keine Partner. Amphibien und Voegel verwechseln die Tageszeit. Die Wissenschaft zeigt, dass die Farbe unserer Aussenbeleuchtung genauso wichtig ist wie ihre Helligkeit.
Naturschuetzer erforschen genau diese Muster, um den Lebensraum von Tieren zu schuetzen. Wenn Staedte helle weisse Lampen durch warmes, rotes Licht ersetzen, bewahren sie die dunklen Wege, die Tiere brauchen. Fuer Leuchtkaefer bedeutet eine dunkle Nacht, dass ihre Funksignale sicher ueber den Rasen wandern koennen.